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„Dzien dobry, Zory!“

„Dzien dobry, Zory!“ Schüler des GFG zu Gast in Polen

„Polen ist so cool!“ Dieser begeisterte Ausruf fiel mehr als einmal, als elf Schülerinnen und Schüler der EF und Q1, begleitet von Frau Dr. Seidel und Frau Müller, vom 5. bis 10. April unsere Partnerstadt Zory besuchten.

Nach aufregender Anreise mit sehr frühem Aufstehen und Stau auf der Autobahn nach Dortmund landeten wir pünktlich, aber etwas müde auf dem Flughafen Kattowice, wo wir herzlich von Anita Wala und herrlichem Sommerwetter begrüßt wurden. Nach einer kurzen Erfrischung stand mit dem nagelneuen Schlesischen Museum von Kattowice bereits die erste Besichtigung auf dem Programm, was trotz der Reisemüdigkeit ein gelungener Auftakt war, denn dort bekamen wir einen interessanten Überblick über schlesische Lebensart und Kunst und die schlesische (und damit auch die deutsche und polnische) Geschichte. Historische Fakten und vor allem die Müdigkeit waren aber erst einmal vergessen, als wir schließlich an unserer Partnerschule in Zory ankamen. Dort warteten die polnischen Schüler, die im September am GFG zu Gast gewesen waren, bereits ungeduldig auf ihre Austauschpartner aus Kamp-Lintfort, die sich dann auch sichtbar sofort wie zu Hause bei alten Freunden fühlten. Bei Snacks und Getränken wurden die ersten Neuigkeiten ausgetauscht, bevor der Tag für die Schüler in einem, wie man hört „legendären“, Bowlingabend ausklang.

Am zweiten Tag hatten wir dann das erste Mal die Gelegenheit, einen längeren Blick in die Schule zu werfen. Die Schüler unserer Partnerschule hatten einen Themenraum zu Frankreich vorbereitet, den alle Klassen an einem alljährlich stattfindenden Frankophonie-Tag durchlaufen. Die Kamp-Lintforter Schüler wurden kurzerhand einbezogen und konnten an verschiedenen Ständen Aufgaben zu Frankreich und zur französischen Sprache machen, für die sie am Ende ihren verdienten Punkten entsprechend mit kleinen Preisen honoriert wurden. Später ging es dann zum Eichendorff-Zentrum. Eichendorff? Nicht nur die polnischen Schüler konnten wohl mit dem Namen zunächst wenig anfangen und dürften sich gefragt haben, zu welchem interessanten Ort der Bus sich jenseits der Dörfer auf kleinen Feldwegen seinen Weg bahnte. Als Ziel entpuppte sich schließlich die Ruine eines Schlosses, in dem der schlesisch-deutsche Dichter der Romantik, Joseph von Eichendorff, einen großen Teil seines Lebens verbrachte. Die auf großen Tafeln rund um das Gelände abgedruckten Gedichte kamen dem einen oder anderen Schüler dann doch aus dem Deutschunterricht bekannt vor, und der kundige Eichendorff-Experte, der uns durch die Ausstellung führte, riss schließlich alle mit seiner Begeisterung für die von ihm enthusiastisch vorgetragenen Texte und Lieder mit und zu stürmischem Applaus hin.

Der Donnerstag war dann ganz der Stadt Zory und der Schule gewidmet. Während die Kamp-Lintforter Schüler noch entspannt beim Frühstück saßen, unterrichtete Frau Seidel in zwei Klassen unserer Partnerschule „Chemie mit Rotkohl“.

Die Schüler wussten zwar nicht ganz, wie ihnen geschah, machten aber fleißig mit und lernten einige deutsche Fachbegriffe. Um Chemie im weiteren Sinne ging es dann auch im Feuermuseum der Stadt Zory, wo wir an interaktiven Stationen viel über die Kraft des Feuers lernten und von den großen Stadtbränden, welche die Stadt mehrfach zerstört haben, erfuhren. Seither ist ein Feuerfunken das Symbol der Stadt Zory. Im Stadtmuseum ging es dann von Zory hinaus in die Welt, als wir nicht nur in der ethnologischen Sammlung viel Interessantes über die Kulturen der Welt erfuhren, sondern auch gleich traditionelle afrikanische Kleidung anziehen und auf exotischen Instrumenten spielen durften. Höhepunkt des Tages war der Besuch im Rathaus der Stadt. Dort wurde die Gruppe von einer Mitarbeiterin des Bürgermeisters, die die lange Tradition der Partnerschaft zwischen beiden Städten betonte und sich sehr freute, wieder junge an Polen interessierte Kamp-Lintforter begrüßen zu können, freundlich bewirtet und mit Zory-Andenken beschenkt, wobei vor allem der Plüsch-Feuerfunke lautstarken Anklang fand.

 

Der Freitag hingegen wurde dann ein sehr stiller Tag. Schon auf dem Weg zum ehemaligen deutschen Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz wurde die Gruppe immer leiser, und Konzentration und Stille hielten während der über vierstündigen Führung an, die den Leidensweg der Häftlinge nachzeichnete, angefangen mit dem Betreten des Lagers durch das mit dem zynischen „Arbeit macht frei“ überschriebene Tor. Die Führung durch das sogenannte Stamm- oder Arbeitslager informierte eindrücklich über die dortigen Haftbedingungen und –folgen und über den industrialisierten Massenmord an ca. 1,1 Millionen Menschen im eigentlichen Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Obwohl viele Gruppen gleichzeitig durch zum Teil enge Räumlichkeiten geführt wurden, war es überall auffällig still, vor allem etwa angesichts von Karteifotos von Häftlingen, die ihre Aufnahme in das Arbeitslager meist nur wenige Wochen überlebt hatten, oder vor einem Berg von Haaren vergaster Häftlinge, der zur industriellen Weiterverarbeitung vorgesehen gewesen war. Nicht nur die besonders geschichtsinteressierten Schüler des Geschichte-Leistungskurses wussten sicher bereits viel über all das – dennoch war es dann besonders eindringlich, nach einer kurzen Busfahrt nach Birkenau den Ort der Massenmorde zu betreten. Die Busfahrt und die Bewegung an der frischen Luft in einer sich weit öffnenden Landschaft ließen uns nach der bedrückenden Führung in der Enge des Stammlagers erst einmal unwillkürlich aufatmen und wieder etwas lauter werden, bis wir gewahr wurden, dass wir uns auf der „Rampe“ befanden, von der aus die Deportierten  direkt nach ihrer Ankuft zu den Gaskammern in Sichtweite geschickt worden waren und dass die Landschaft bis zum Horizont mit Fundamenten der ehemaligen Baracken gefüllt war. So gingen dann auch der zweite Teil der Führung  und schließlich die Rückfahrt nach Zory in Stille vor sich.

Abends und vor allem auch am folgenden Samstagabend wurde es dann aber zum Glück wieder laut und fröhlich, als die polnischen und deutschen Jugendlichen das Leben und ihre Freundschaft feierten – auch diese Abende sollen „legendär“ gewesen sein! Der Samstag bot darüber hinaus noch zwei Highlights: In Krakau konnten wir uns bei einer Führung über den Burgberg und durch die Altstadt und später auf eigene Faust davon überzeugen, dass dies wirklich „eine der schönsten Städte der Welt“ (Frau Seidel) ist. Von Krakau aus ging es dann noch weiter nach Wieliczka und über unzählige Stufen mehrere hundert Meter tief unter die Erde. In einem alten Salzbergwerk erfuhren wir nicht nur Interessantes über die jahrhundertalte Bergbautradition Schlesiens, sondern konnten auch viele Kunstwerke und eine komplette unterirdische Kapelle ganz aus Salz bewundern.


Den Sonntag schließlich verbrachten die Schüler in ihren Austauschfamilien – und der herzliche, zum Teil tränenreiche Abschied am nächsten Morgen, bei dem eigentlich jeder jedem in den Armen lag, zeigte, wie wohl sie sich dort gefühlt hatten. So verabschiedeten sich am Montag elf Schülerinnen und Schüler aus Kamp-Lintfort bei ihren polnischen Freunden mit einem herzlichen „Dzienkuje“ (Danke)! Im Jahr 2017 wird der nächste Besuch stattfinden, dann werden wieder polnische Schüler nach Kamp-Lintfort kommen.

An Polen und dem Austausch Interessierte sollten sich diesen Termin schon einmal vormerken, denn es werden immer Oberstufenschüler gesucht, die einen Gastschüler aufnehmen und nach Zory fahren möchten!    (Mü)