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Religiösen Praktiken und philosophischen Grundfragen im Alltag auf der Spur


Gymnasiasten besuchten den Dom in Aachen, die Kapelle in der Arena auf Schalke sowie die jüdische Synagoge in Duisburg. Mit dem Religionskurs zur Arena auf Schalke? Das verwundert zunächst, passt aber gut in das Konzept der Tage religiöser Orientierung am Georg-Forster-Gymnasium, wie sie seit 2009  in Regie der Fachschaften katholische und evangelische Religion sowie Philosophie durchgeführt werden.

Denn es geht vor allem darum, im Rahmen des Projekttags den Blick über den üblichen Unterricht hinaus zu weiten sowie religiösen Praktiken und religiösen wie philosophischen Fragen im Alltag nachzugehen. Der gesamte Jahrgang 10 nimmt im Rahmen der Religions- und Philosophie-Kurse teil.
Neben dem Besuch besonderer Lernorte wie dem Dom in Aachen oder der Synagoge in Issum verfolgen vor allem die Philosophie-Lehrer den Ansatz, ausgehend von bekannten Kinofilmen wie zum Beispiel „Matrix“, zentrale Fragen der Philosophie schülerorientiert und praktisch ausgerichtet im Laufe eines kompakten Vormittags zu erarbeiten. „Als ich in diesem Jahr älteren Schülern angekündigt habe, dass der normale Unterricht wegen der Tage der religiösen Orientierung durch eigenverantwortliches Arbeiten ersetzt wird, war ich überrascht, wie genau sich viele Schülerinnen und Schüler noch an ihr eigenes Programm vor einem Jahr erinnern konnten: ‚Da haben wir doch über das Höhlengleichnis von Platon gesprochen‘. Diese positiven Rückmeldungen entschädigen dann für den organisatorischen Aufwand, den Projekttag in die normalen Stundenpläne der Lehrer und Schüler einzubauen,“ kommentiert Wolfgang Geßner das Projekt aus der doppelten Perspektive des Philosophie-Lehrers und Stundenplaners.
„Sicherlich sind nicht alle Kursmitglieder Schalke-Fans, die beiden Ziele haben wir allerdings trotzdem mit den Jugendlichen gemeinsam abgestimmt. Denn nur die Arena verfügt über eine Kapelle,“ schmunzelt Thorsten Kämmer, evangelischer Pfarrer und Religionslehrer am GFG. Zusammen mit dem Philosophie-Kurs unter Leitung von Martina Scherbarth reiste seine Gruppe zunächst nach Gelsenkirchen und dann nach Duisburg.
Der für die Arena zuständige evangelische Pfarrer Ernst Martin Barth begann seine sachkundige Führung an der Tausend-Freunde-Mauer. Seit dem 30. Januar 2013 umreißt hier eine Gedenktafel  die Lebens- und Leidenswege jüdischer Vereinsmitglieder. Sie verdeutlicht beispielsweise, dass Ernst Alexander, der ein talentierter Nachwuchsspieler war, zwar zunächst die Flucht in die Niederlande gelang, er dann aber dort verhaftet und schließlich in Auschwitz ermordet wurde. Bei der Einweihung der Tafel vor vier Jahren erklärte Peter Peters: „Es ist unsere Verpflichtung, die Erinnerung wachzuhalten. Der FC Schalke 04 hat sich während der Zeit des Nationalsozialismus nicht schützend vor seine jüdischen Mitglieder, Förderer, Funktionäre und Sportler gestellt“. Seit 2004 arbeitet der Verein seine Vergangenheit im Nationalsozialismus auf, damals erschien die Studie „Zwischen Blau und Weiß liegt grau“.
Nach diesem überraschenden Beginn löste sich die Stimmung der Schülerinnen und Schüler wieder im weiteren Verlauf der Führung; ein Highlight war sicherlich die Spielerkabine. Abschließend ging es in die Kapelle, deren Gestaltung sich viele der Jugendlichen anders vorgestellt hatten: Nicht in den Vereinsfarben Blau und Weiß, sondern schlicht in Schwarz und Weiß gestaltet, kann man sich in der Kapelle trauen oder seine Kinder taufen lassen. Pfarrer Barth erzählte von bewegenden Erlebnissen und ließ den Raum auch in einer Minute der Stille auf die Jugendlichen wirken. "Sehr beeindruckt hat es mich, dass wir als Gruppe die Stille ausgehalten haben," so eine Schülerin. Einen solchen Ort der Ruhe in einem Stadion, das während der Fußballspiele mehr als unruhig ist, hatten sie nicht erwartet.
Jüdisches Leben in Deutschland muss offenbar geschützt werden; mit dieser Erkenntnis begann die Führung in der Synagoge von Duisburg: Noch im Außenbereich registrierten die Gruppe eine Polizeistreife in der Nähe der Synagoge. Das Gebäude selbst ist durch Zäune gesichert und wird von Kameras überwacht, hinein kommt man nur durch eine Sicherheitsschleuse. Ludger Heid, Historiker und Lehrbeauftragter der Universität Duisburg-Essen, brachte den Schülerinnen und Schülern während der Führung sowohl die Geschichte der jüdischen Gemeinde Duisburg, Oberhausen und Mülheim als auch die Traditionen des Judentums näher. Aufmerksam hörten die Jugendlichen seinen Ausführungen zu: "Obwohl ich durch den Religionsunterricht schon einiges über das Judentum wusste, habe ich noch viel dazu gelernt!" meinte eine Schülerin.
Auch die beiden katholischen Religionskurse, die mit ihrem Fachlehrer Marc Glorius und in Begleitung des Kollegen Thomas Haubruck nach Aachen gereist sind, waren von der einstündigen Führung im Dom beeindruckt und „von der Pracht überwältigt“, so die Schülerin Celine Weber. In zwei Gruppen erhielten die Jugendlichen beispielsweise Einblicke in die Funktion des Doms als „Haus zweier Welten“, in dem die Welt Gottes mit der der Menschen verbunden und so auch heute noch die mittelalterliche Welt- und Glaubenssicht deutlich wird. Insbesondere am Beispiel des Oktogons, das als „himmlisches Jerusalem“ das Paradies verkörpert, und seiner komplexen Zahlensymbolik konnten die Jugendlichen nachvollziehen, welche bautechnische Meisterleistung das Gotteshaus darstellt und warum es als erstes deutsches Gebäude zum Weltkulturerbe ernannt wurde. Marc Glorius resümierte, den Dom als steingewordene Symbolik und als herausragendes Beispiel der Geschichte, Kunstgeschichte und Religiosität ins Zentrum der Exkursion zu stellen, sei mittlerweile ein bewährtes Konzept, auch wenn in diesem Jahr der Besuch der Domschatzkammer wegen Umbaumaßnahmen nicht stattgefunden habe. Hinzu kommt, dass Aachen eine „sehr schöne Stadt“ ist, wie nicht nur der Schüler Florian Schneider meinte.

Der evangelische Pfarrer Ernst Martin Barth (vorne rechts) zeigte den Oberstufenschülerinnen und –schülern des GFG  im Rahmen der Tage religiöser Orientierung nicht nur die Kapelle in der Arena auf Schalke, sondern auch die Umkleiden des Stadions.
Foto: Thorsten Kämmer